28. April 2026 "Wir sind jetzt hier"
Ein Filmgespräch zu Fluchterfahrungen, Ankommen und Integration
Andernacher Stadtgespräche bieten emotionalen Perspektivwechsel.
„Wir sind jetzt hier“ war das Motto eines dokumentarischen Films über die Flucht- und Ankommenserfahrungen sieben junger Männer aus verschiedenen Herkunftsländern. Die Protagonisten des Films erzählten in bestechender Offenheit von ihren Erlebnissen während der Flucht, von ihren Sehnsüchten, von verzweifelten Momenten, aber auch von ihren Hoffnungen und ihren wunderbaren Erfolgen. Den Zuschauern boten sich mutige Menschen, die ihr neu gewonnenes Leben annehmen und selbst gestalten wollen. Der Film wurde zu einer emotionalen Achterbahnfahrt zwischen zutiefst bewegt und befreiendem Lachen.
Im gut besuchten Foyer der Mittelrheinhalle stellte sich das Filmteam um die Produzenten Ronja und Niklas von Wurmb-Seibel mit Hussein Al Ibrahim, einem der Darsteller, den interessierten Fragen des Publikums. Jochen Grade, Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Andernach e.V. und Organisator der Andernacher Stadtgespräche, zeigte sich zufrieden mit den zahlreichen Teilnehmern und dem lebhaften, teils sehr emotionalen Austausch. Drei weitere Veranstaltungen seien für dieses Jahr geplant, welche die kommunale und landesweite ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit thematisieren und sich mit den Zusammenhängen zwischen Klimawandel und globaler Migration beschäftigen werden. Informationen dazu finden sich auf der Homepage des Vereins und werden rechtzeitig über die Medien bekannt gegeben.
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„Zugehörigkeit als Recht“
11. April 2026
Andernacher Stadtgespräche thematisieren Integrationspolitik
Frau Maimouna Ouattara vom Berliner Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen e.V. (NEMO) warb für mehr Selbstverständlichkeit im Umgang mit Migranten. Bei der gut besuchten Vortragsveranstaltung im Pfarrsaal der katholischen Kirchengemeinde sprach sie sich am vergangenen Samstag dafür aus, Schutzsuchenden ein Recht auf Zugehörigkeit zur Mehrheitsgesellschaft einzuräumen.
Ihre Forderung, diese Zugehörigkeit „bedingungslos zu gewähren“ war Anlass für eine lebhafte Diskussion über die Bedeutung des Grundgesetzes für ein friedvolles Zusammenleben von Einheimischen und Zugewanderten. Jochen Grade, Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Andernach e.V. und Organisator der Stadtgespräche sah das Grundgesetz als unverzichtbaren Rahmen für gelingende Integration. Im Gespräch entwickelte sich darauf die Interpretation von „Bedingungslosigkeit“ als grundsätzliche Offenheit auch für kulturelle Besonderheiten und respektvolle Begegnungen auf Augenhöhe. Einvernehmlich wurde Integration als gesamtgesellschaftliche Daueraufgabe beschrieben, die nicht nur zu diskutieren, sondern aktiv zu gestalten sei.
Die Lebensgeschichte der in der Elfenbeinküste geborenen Referentin, mit ihrem Studium der französischen und spanischen Philologie sowie Politikwissenschaften an der Universität Potsdam verlieh ihren Ausführungen besondere Authentizität.
Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung durchgeführt und durch die bayerische Abri-Porta-Stiftung finanziell unterstützt.
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Abschiebegewahrsam für Geflüchtete
27. September 2025
Nina Gartenbach vom Flüchtlingsrat RLP berichtete von fragwürdigen Abschiebepraktiken in Rheinland-Pfalz. Als stellvertretende Vorsitzende des Landesbeirates für den Vollzug der Abschiebungs- und Zurückweisungshaft konnte Frau Gartenbach auf exklusive Einblicke in das Geschehen verweisen. Auch die anwesenden Landes- und Lokalpolitiker waren zumindest erstaunt darüber, aus welch unverhältnismäßigen Anlässen die Achtung der Menschenwürde und diverse Grundrechte eingeschränkt werden können. Die Referentin berichtete unter anderem vom ehemaligen Hochsicherheitsgefängnis in Ingelheim, welches seit geraumer Zeit als Abschiebegewahrsam genutzt wird. Hier werden Geflüchtete wie Schwerverbrecher bis zu 18 Monaten zur amtlichen Verfügung gehalten – Straftäter sind in der Minderzahl. Es verdichte sich der Eindruck, dass die zuständigen Behörden gern auf diejenigen zugreifen, die sich an alle Regeln halten und damit am leichtesten erreichbar sind. Sogenannte Tischverhaftungen, bei denen einige Ausländerbehörden Geflüchtete unter Vorspiegelung einer angeblich wichtigen Angelegenheit einbestellen, dienen in Wirklichkeit dazu, der zum Termin bereitgehaltenen Polizei den Zugriff zu ermöglichen. Jochen Grade, Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Andernach e.V.: „Ganz gleich aus welcher Perspektive wir mit dem Thema Migration in Berührung kommen, wir begegnen stets der Frage nach der Menschenwürde und sehen vermehrt Verletzungen der Grundrechte“.
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25. August 2025
Chancen und Herausforderungen europäischer Migrationspolitik
Migrationsforscher Dr. Raphael Bossong zu Gast bei den Andernacher Stadtgesprächen
Ein äußerst interessanter Nachmittag führte die Zuhörer am vergangenen Samstag in die Tiefen der europäischen und deutschen Migrationspolitik. Der thematische Bogen spannte sich von der Genfer Flüchtlingskonvention über das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) bis ins nationale Asylrecht. Dabei ließ die Analyse des stellvertretenden Leiters der Forschungsgruppe EU/Europa der Stiftung Wissenschaft und Politik an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Im Gemeindesaal der katholischen Kirche St. Marien würdigte Dr. Bossong den zutiefst humanen Gedanken des Flüchtlingsschutzes in den Verträgen der EU und deren Menschenrechtscharta ebenso, wie er die aktuellen Anstrengungen zur Begrenzung des Zuzugs von Schutzsuchenden kritisch reflektierte. Der Referent sah die EU an einem Scheideweg, dessen Ausgang derzeit ungewiss erscheint. Geht es weiter wie bisher? Führt der Weg in die vollkommene Abschottung einer „Festung Europa“ oder stehen wir vor einem Systemwandel, der einen gänzlich neuen Umgang mit dem Phänomen Migration möglich macht? „Die Materie ist äußerst komplex. Lassen Sie sich durch Vereinfacher nicht verführen,“ appellierte Bossong und stellte sich einer angeregten Diskussionsrunde.
Jochen Grade, Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Andernach, welche die Stadtgespräche regelmäßig ausrichtet, schloss sich diesem Appell an und wies eindringlich darauf hin, dass bei aller Beschäftigung mit gesetzlichen Regelungen und politischen Rahmenbedingungen stets bewusst bleiben muss, dass bei Migrationsfragen immer über menschliche Schicksale gesprochen wird. Deshalb stellte Grade auch bei dieser Veranstaltung anfangs wieder einige Flüchtlinge aus Andernach mit ihrer persönlichen Fluchtgeschichte vor.
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Kommunale Integrationspolitik
16. Januar 2025
„Andernach am Limit?“ lautete die etwas provokante Frage die wir mit dem Bürgermeister der Stadt und dem Leiter der Perspektive gGmbH in einer Podiumsdiskussion erörterten.
Aus dem Eingangsstatement:
Meine Damen und Herren, ich freue mich, dass Sie alle hier sind und damit Ihr Interesse am heutigen Thema zeigen.
Nicht erst die fürchterlichen Morde von Magdeburg und andere Verbrechen weltweit werfen Fragen nach unserer Sicherheit und solche nach der Integration von geflüchteten Menschen auf.
Mir ist es wichtig, dass wir uns nicht zu pauschalen Schuldzuweisungen an „die Flüchtlinge“ verführen lassen, sondern bei aller Trauer und aller Empörung differenzieren.
Die allermeisten Schutzsuchenden wollen sich hier integrieren, sie wollen arbeiten, wollen vernünftig wohnen, Familien gründen, ein gutes Leben führen. Das sagen nicht nur alle Statistiken, das bestätigen auch die Erfahrungen unseres Vereins hier in Andernach.
Wir sollten uns auch daran erinnern, dass Migration ein unverzichtbarer Baustein unseres wirtschaftlichen Wohlergehens ist.
Und wir sollten uns vor allem daran erinnern, dass die Aufnahme von Schutzsuchenden ein humanitärer Akt ist.
Unsere Verpflichtung zur Humanität kann historisch begründet werden: wir erinnern uns an die Geschichte der Genfer Flüchtlingskonvention.
Humanität ist aber zugleich das Fundament unseres demokratischen Gesellschaftssystems – und damit immer hochaktuell.
Mit der heutigen Fragestellung „Andernach am Limit?“ nehmen die Andernacher Stadtgespräche ein dieser Tage viel diskutiertes Thema auf, das in diesen Wahlkampfzeiten vermutlich noch an Bedeutung zunehmen dürfte.
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Auftaktveranstaltung
14. September 2024
Am Samstag, 14. September 2024, ab 15:30 Uhr wurden die Andernacher Stadtgespräche im Gemeindesaal der Christuskirche Andernach aus der Taufe gehoben.
Aus der Einladung:
Wir möchten, dass Andernacher Bürger und Flüchtlinge sich kennenlernen. Dafür starten wir das Projekt „Andernacher Stadtgespräche“, bei dem sich beide Seiten begegnen und miteinander reden können.
Die Teilnahme ist kostenlos, Getränke und Kleinigkeiten zum Essen werden ebenfalls kostenlos angeboten.
Wir würden uns sehr freuen, wenn viele Geflüchtete teilnehmen – auch, wenn es mit der Sprache noch nicht so gut geht.
Auch Familien mit Kindern sind herzlich willkommen!
Das Interesse war groß, die Informationsstände der unterstützenden Einrichtungen sehr gefragt und die Erzählungen der Neubürger bewegten die Herzen. Damit war der Auftakt gelungen und das Format ging in die Verlängerung.